Survival-Mythos 5/5: "Aktivkohlefilter filtern alle Schadstoffe aus Wasser"

20.02.2026

Aktivkohle ist ein tolles Werkzeug bei der Wasseraufbereitung. Sie macht Wasser aber nicht automatisch keimfrei oder gar nitratfrei. 

🧪 Was können Aktivkohlefilter wirklich leisten?

Wie jeder Filter bildet auch Aktivkohle zunächst eine mechanische Barriere für Schmutz- und Schwebstoffe.

Diese Partikel verstopfen den Filter mit der Zeit. Deshalb gibt es:

  • Vorfilter

  • oder die Möglichkeit der Rückspülung (Reinigung gegen die normale Flussrichtung)

Doch die eigentliche Stärke der Aktivkohle liegt nicht in der Mechanik – sondern in der Adsorption.

🔬 Wie funktioniert die "Bindung"?

Aktivkohle bindet Stoffe nicht chemisch – sie adsorbiert sie physikalisch. Das bedeutet:

  • Stoffe lagern sich an der riesigen inneren Oberfläche an

  • es entsteht keine echte chemische Bindung

  • der Prozess ist grundsätzlich reversibel

  • ist die Kohle "voll", bleibt der Rest im Wasser (Durchbruchskurve)

Es stellt sich immer ein Gleichgewicht zwischen gebundenen und frei gelösten Stoffen ein.
Ist die Kohle gesättigt → dann wirkt sie kaum noch oder gibt sogar wieder Schadstoffe ab ins Wasser!

🧱 Woraus wird Aktivkohle hergestellt?

Aktivkohle kann hergestellt werden aus:

  • Holz

  • Torf

  • Braun- und Steinkohle

  • Olivenkernen

  • Kokosnussschalen

  • u. v. m.

Wichtig: Technisch genutzte Aktivkohle wird industriell speziell aktiviert und für bestimmte Anwendungen optimiert. Holzkohle aus dem Lagerfeuer kann diese Leistungen nur sehr eingeschränkt oder gar nicht erfüllen.

🌍 Wo wird Aktivkohle überall eingesetzt?

Die Einsatzgebiete sind enorm vielfältig – z. B.:

  • Trinkwasseraufbereitung (Geschmack, Geruch, organische Stoffe)

  • Aquaristik (Medikamente entfernen)

  • Luftfilter (Dunstabzug, Auto, Lüftungsanlagen)

  • Atemschutzmasken

  • Industrieabluft & Kläranlagen

  • Biogasanlagen (Schwefelwasserstoffbindung)

  • Entfärbung von Lebensmitteln & Pharma-Produkten

  • Reinigung von Ölen, Gasen, Alkohol

  • Medizin: Giftbindung im Magen-Darm-Trakt

  • Dialyse

  • Boden- und Altlastensanierung

  • Rückgewinnung von Lösungsmitteln

Und vieles mehr. Wichtig: Jede Anwendung nutzt speziell angepasste Aktivkohlen.

💧 Welche Stoffe kann Aktivkohle aus Wasser entfernen?

An Aktivkohle gut adsorbierbar sind u. a.:

  • Geschmacks- und Geruchsstoffe (Huminsäuren)

  • Chlor

  • viele organische Verbindungen

  • viele Pestizide & Bakterizide

  • chlorierte Kohlenwasserstoffe

  • Öle

  • organische Lösungsmittel

  • viele Medikamentenrückstände

  • Bakterientoxine

  • halogenorganische Verbindungen

❌ Was Aktivkohle NICHT kann

Nicht oder nur sehr begrenzt entfernt werden:

  • Nitrat

  • Nitrit

  • Ammonium

  • Kalk

  • viele gelöste Mineralsalze

  • vollständig gelöste Schwermetalle

  • Viren

  • Bakterien (nur Reduktion der Keimbelastung möglich!)


💊 Ist Aktivkohle dann bei Durchfall – sinnvoll?

Viele bakterielle Gifte passen gut ins "Adsorptionsschema". Deshalb wird Aktivkohle in der Medizin eingesetzt, u. a. bei Vergiftungen.

Das Robert Koch-Institut weist z. B. bei bestimmten bakteriellen Erkrankungen auf entsprechende Behandlungsoptionen hin.

Wichtig zu wissen: 

  • Im Krankenhaus werden sehr hohe Dosen eingesetzt

  • Aktivkohle kann Medikamente unwirksam machen

  • Nicht anwenden bei Fieber oder blutigem Durchfall

  • Bei unkompliziertem Reisedurchfall kann ein Versuch sinnvoll sein

  • Bitte keine Lagerfeuer Kohle verwenden! Sie kann durch die Asche sogar erhebliche Schäden anrichten!

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