Serie: Survival-Mythos 1/5: „Klares Wasser kann man bedenkenlos trinken“
Warum dieser Mythos so hartnäckig ist
Klares Wasser wirkt sauber. Es riecht nicht, ist durchsichtig, kommt aus einem Bach im Wald – also "Natur pur".
Unser Gehirn setzt visuelle Reinheit mit mikrobiologischer Sicherheit gleich. Das ist leider falsch und kann gefährlich enden.
Was man nicht sieht
Wasser kann optisch vollkommen klar sein und trotzdem folgende Schadstoffe enthalten:
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Bakterien
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Protozoen
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Viren
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Parasiten
giftige Algen
Prionen
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Einträge aus Landwirtschaft (Gülle, Dünger)
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Rückstände (Kot, Urin, verwesende Tiere) von Wildtieren stromaufwärts
Gifte
Radioaktive Substanzen
Lebenselixier Wasser
Ein Mensch kann je nach körperlicher Verfassung im Durchschnitt einen Monat ohne Essen überleben. Wassermangel macht sich deutlich früher erkennbar und führt schneller zum Tod.
Wie gefährlich ist Wassermangel wirklich?
Stell dir vor, du hast dich verlaufen. Die Sonne steht hoch, deine Flasche ist leer. Ab wann wird das ernst?
Der menschliche Körper kommt erstaunlich lange ohne Nahrung aus – aber nur sehr begrenzt ohne Wasser. Schon nach kurzer Zeit beginnt das System zu kippen.
Wenn dem Körper Flüssigkeit fehlt, kann er Stoffwechselabfälle nicht mehr ausreichend ausscheiden. Normalerweise erledigen das die Nieren über den Harn. Dabei werden unter anderem Harnsäure (ein Abbauprodukt aus dem Eiweißstoffwechsel) sowie überschüssige Salze aus dem Körper transportiert.
Fehlt Wasser, passiert Folgendes:
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Die Urinmenge sinkt drastisch
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Abbauprodukte reichern sich im Körper an
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Das Blut wird zunehmend "konzentrierter"
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Die Kreislaufbelastung steigt
Ohne ausreichende Flüssigkeit kann dieser Zustand innerhalb weniger Tage lebensbedrohlich werden. Im Extremfall droht ein Herz-Kreislauf-Versagen.
Kann man Dehydration hinauszögern?
Ein wenig – aber nicht unbegrenzt. In einer Wassermangelsituation geht es darum, den Verlust möglichst gering zu halten:
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körperliche Anstrengung reduzieren
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direkte Sonneneinstrahlung / Hitze meiden
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starkes Schwitzen vermeiden
Weniger bekannt ist ein weiterer Punkt: Auch die Ernährung beeinflusst den Flüssigkeitsbedarf.
Damit die Nieren ihre Arbeit überhaupt erledigen können, braucht der Körper eine gewisse Mindestmenge an Urin – ungefähr einen halben Liter pro Tag. Eiweißreiche und stark salzhaltige Nahrung erhöht die Menge an Stoffwechselendprodukten, die ausgeschieden werden müssen. Dadurch steigt der Wasserbedarf zusätzlich.
In einer echten Notlage wäre es daher sinnvoll, stark eiweiß- oder salzbetonte Lebensmittel zu reduzieren, um die notwendige Urinmenge möglichst niedrig zu halten. Wenn gar kein Wasser vorhanden ist ist eine zeitgleiche Nahrungsaufnahme daher oft eher problematisch.
Warum Wasser für unseren Körper unverzichtbar ist
Der menschliche Körper besteht zu einem großen Teil aus Wasser – bei Erwachsenen sind es rund 60 Prozent. Diese Zahl zeigt bereits: Flüssigkeit ist kein "Zusatz", sondern Grundvoraussetzung für jedes einzelne Körpersystem.
Wasser ermöglicht:
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den Transport von Nährstoffen
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die Ausscheidung von Stoffwechselabfällen
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die Temperaturregulation
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die Aufrechterhaltung des Blutvolumens
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die Funktion von Kreislauf und Nieren
Ohne ausreichende Flüssigkeit gerät dieses fein abgestimmte System schnell aus dem Gleichgewicht.
Wie viel Wasser verlieren wir täglich?
Auch ohne besondere Anstrengung verliert der Körper jeden Tag etwa 2 bis 2,5 Liter Flüssigkeit. Der größte Anteil geht über den Harn verloren. Weitere Mengen entweichen unbemerkt über:
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die Atmung
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die Haut (auch ohne sichtbares Schwitzen)
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den Stuhl
Das bedeutet: Selbst im Ruhezustand entsteht ein kontinuierlicher Flüssigkeitsbedarf. Als grobe Orientierung gilt: Etwa 1,5 Liter Trinkmenge pro Tag sind das aller unterste Minimum – bei Hitze, Bewegung oder Stress entsprechend mehr.
Was passiert bei Dehydration?
Dehydration bedeutet, dass der Körper mehr Flüssigkeit verliert, als er erhält. Dabei unterscheidet man verschiedene Schweregrade – je nachdem, wie viel Prozent des Körpergewichts an Wasser fehlen.
Leichte Dehydration (ca. 5 %)
Erste Warnzeichen sind:
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deutlicher Durst
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trockene Lippen und Schleimhäute
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dunkler, stark konzentrierter Urin
Der Körper versucht hier noch, Wasser zu sparen.
Mäßige Dehydration (ca. 8 %)
Jetzt wird es deutlich spürbar:
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eingesunkene Augen
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ausgeprägte Trockenheit von Haut und Mund
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stark verminderte Urinmenge
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beschleunigter Puls
Der Kreislauf beginnt, unter Druck zu geraten.
Schwere Dehydration (ca. 12 %)
In diesem Stadium spricht man bereits von einer medizinischen Notlage. Typisch sind:
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niedriger Blutdruck
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stehende Hautfalten
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deutliche Kreislaufschwäche
Steigt der Flüssigkeitsverlust weiter (über etwa 12–15 %), kann es zu einem Schockzustand kommen. Bewusstseinseintrübungen, Verwirrtheit, Apathie bis hin zum Koma sind möglich.
Ein Vorteil unserer Breiten
Wer in Mitteleuropa unterwegs ist, hat im Vergleich zu ariden Regionen einen entscheidenden Vorteil: Selbst bei längeren Trockenphasen existiert meist noch ein relativ dichtes Netz aus Bächen, Gräben, Quellbereichen oder feuchten Senken.
Das bedeutet: Absolute Wasserlosigkeit ist hier selten – aber Trinkwasserqualität ist damit noch nicht garantiert.
Wasser finden ist nicht gleich Wasser trinken
An feuchten Stellen oder in Wasserläufen lässt sich in der Regel Flüssigkeit sammeln. Dabei sollte man bevorzugt:
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möglichst klares, stark bewegtes, kaltes Wasser wählen
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stark trübe oder auffällig riechende Stellen meiden
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Bereiche unterhalb von Weiden, Siedlungen oder landwirtschaftlichen Flächen kritisch beurteilen
Achtung! - Doch auch optisch sauberes Wasser kann mikrobiologisch belastet sein.
🦠 Die realistischste Gefahr: Keime
In unseren Regionen stellen vor allem folgende Erreger ein großes Risiko dar:
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Bakterien (z. B. aus tierischen Fäkalien)
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Viren
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Protozoen wie Giardien
Eine Infektion kann zu Durchfall, Erbrechen und massiver Schwächung führen – in einer Survival-Situation ein ernstes Problem.
Deshalb sollte gesammeltes Wasser wenn du nicht sicher bist dass es unbelastet ist im Idealfall immer aufbereitet werden, etwa durch:
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Abkochen
Desinfektion mit UV-Licht
Desinfektion mit Wasseraufbereitungstabletten
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geeignete Outdoor-Filter
Destillation
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Kombinationen aus den Methoden
Und was ist mit Chemikalien?
Rückstände aus Landwirtschaft oder Umwelt (z. B. Nitrate, Pestizide, organische Verbindungen) sind grundsätzlich möglich. Spezielle Filter – insbesondere Aktivkohle – können einen Teil solcher Stoffe reduzieren, jedoch nicht jede Art von Verunreinigung vollständig entfernen. In der Praxis sind bei kurzfristiger, einmaliger Aufnahme kleiner Mengen chemischer Rückstände meist keine sofortigen schweren Vergiftungserscheinungen zu erwarten. Akute Erkrankungen durch Mikroorganismen sind deutlich wahrscheinlicher. Trotzdem gilt: Je weiter oberhalb möglicher Belastungsquellen gesammelt wird, desto besser.
Natur stellt uns Ressourcen zur Verfügung – aber wir müssen lernen, verantwortungsvoll damit umzugehen.
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