Wann ich Survival-Kurse abbreche oder absage – und warum das notwendig ist
Survival, draußen sein, sich auf das Wesentliche besinnen – das klingt für viele nach Abenteuer, Freiheit und Grenzerfahrung. Und ja: Genau das kann es auch sein. Aber es gibt eine Seite davon, über die selten gesprochen wird.
Manchmnal breche ich Survival-Kurse ab. Oder sage sie ab. Nicht leichtfertig oder weil ich an dem Tag zu faul bin - sondern aus meiner Verantwortung heraus.
Dieser Blogartikel soll erklären, wann und warum ich diesen Schritt manchmal gehen muss.
Für manche Teilnehmer:innen ist der Kurs wie ein Spaziergang, für andere kann er körperlich oder emotional deutlich fordernder sein. Uns begegnen die unterschiedlichsten für manche Teilnehmer:innen sehr anstrengenden Bedingungen:
Kälte, Hitze, Nässe, Wind
Feuer machen
Das Arbeiten mit Werkzeugen
Manchmal kommt zu den körperlicher Belastungen eine psychische Belastung der Teilnehmer:innen dazu (zB.: Übernachten draußen in der Natur, Dunkelheit, Geräusche im Wald, Angst vor Tieren wie Schlangen, Unbehagen bei schmutziger Kleidung, Ekel vor Schmutz oder Tieren wie Schnecken und Käfer, Angst vor dem Feuer oder Werkzeugen,...)
Als Trainerin habe ich all das immer im Blick – und beziehe es laufend in den Kursablauf ein. Besonders wichtig ist das bei Kursen mit Kindern und Jugendlichen.
Gleich zu Beginn des Kurses prüfe ich:
- Tragen alle Teilnehmer:innen gutes Schuhwerk?
- Haben alle Wetterangepasste Kleidung an?
- Können sich alle ausreichend gut bewegen, um dem Kursverlauf sicher zu folgen?
Zum Kursbeginn gibt es eine kurze Sicherheitseinweisung:
- Nicht ohne Abmeldung von der Gruppe entfernen / in Sichtweite bleiben
- Nichts aus der Natur essen dass wir Trainer:innen nicht frei gegeben haben
- Gibt es Allergien / Lebensmittelunverträglichkeiten / Probleme bei Insektenstichen? Hinweis dass bei manchen Wildpflanzen eine Aufnahme bei Schwangerschaft und Stillzeit nicht gut ist und beim Kurs darauf hingewiesen wird wenn das der Fall ist.
- Sicheres Arbeiten mit den Werkzeugen (kurze Einschulung dazu)
- Warnung vor instabilen Bäumen oder toten Ästen in den Bäumen.
- Auffindbarkeit der Erste Hilfe Materialien.
Ich prüfe in regelmäßigen Abständen:
- Wirkt jemand überfordert oder unglücklich?
- Trinken die Teilnehmer:innen ausreichend?
- Benötigen die Teilnehmer:innen eine Pause?
- Haben die Teilnehmer:innen Sonnenschutz mit (Creme und Kopfbedeckung)? Sind wir schon zu lange in der direkten Sonne?
- Friert jemand aus der Gruppe? / Ist jemand komplett durchnässt?
- Arbeiten alle sicher mit den Werkzeugen (zB. dem Messer)?
All diese Punkte – und noch mehr – trägt man als verantwortungsbewusste Trainerin über die gesamte Kursdauer mit.
Wann ich Kurse absage oder abbreche
1. Bei gefährlichen Wetterlagen
Sturm, extreme Hitze, Gewitter, starker Hagel, Überschwemmungsgefahr, plötzlicher Temperatursturz ohne ausreichende Ausrüstung der Teilnehmer:innen.
Ich muss dabei unterscheiden zwischen:
unbequem und
objektiv gefährlich
Wenn sich Bedingungen entwickeln, die nicht mehr verantwortbar sind, wird abgebrochen oder der Kurs gleich abgesagt – auch wenn das für alle inklusive mir sehr enttäuschend ist.
2. Wenn gesundheitliche Risiken entstehen
Das betrifft z. B.:
Unterkühlung
Dehydrierung
Kreislaufprobleme
Verletzungen
Überforderung
Wenn es einzelne Personen betrifft - zum Beispiel mit einer Verletzung: Dann kann der zweite Trainer / die zweite Trainerin im Normalfall den Kurs übernehmen während sich der andere um die mediznische Versorgung kümmert. Sollte aber ein sicheres weiterführen des Kurses, durch zum Beispiel die daraus resultierende Belastung vom Rest der Gruppe nicht möglich sein, wird der Kurs abgebrochen.
3. Wenn Sicherheitsregeln missachtet werden
Ich erkläre vor jedem Kurs klar die Sicherheitsregeln.
Wenn jemand wiederholt:
Anweisungen ignoriert
mit Feuer oder Werkzeugen unachtsam umgeht
andere oder die Umwelt gefährdet
… dann ist ein Abbruch für diese Person oder wenn es sich um eine Gruppe handelt, die mit den Sicherheitsregeln nicht klar kommt ein Abbruch für die ganze Gruppe möglich. Das ist keine Strafe - damit stelle ich die Sicherheit der Teilnehmer:innen sicher.
4. Bei Gruppen-Dynamiken, die kippen
Manchmal zeigt sich erst draußen:
mangelnde Teamfähigkeit
Dominanzverhalten
fehlender Respekt gegenüber Natur oder den anderen Teilnehmer:innen
… dann ist ein Abbruch für diese Person oder wenn es sich um eine Gruppe handelt für die Gruppe möglich. Das ist keine Strafe - auch damit stelle ich auch wieder die Sicherheit der Teilnehmer:innen sicher.
Aus den folgenden Gründen musste ich leider schon Kurse absagen/ abbrechen:
gefährliche Wetterlagen
Kreislaufprobleme
Verletzungen
Einzelne Teilnehmer musste ich schon aus folgenden Gründen vom Kurs ausschließen:
Wenn Sicherheitsregeln missachtet wurden
Ich treffe solche Entscheidungen nicht leichtfertig, manchmal sind sie aber notwendig.
Was denkst du darüber? Wie gehst du damit um – als Trainer:in oder als Teilnehmer:in?
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